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Babys nuckeln, seit es Babys gibt. Erstaunlich ist eher, wie lange es gedauert hat, bis daraus der Schnuller wurde, den wir heute kennen – und welche Zutaten zwischendurch drin waren.
Honig im Tontopf
Schon vor rund 4500 Jahren gaben Eltern in Ägypten ihren Kindern mit Honig gefüllte Saugtöpfe. Auch aus der Antike sind honiggefüllte Tonfiguren bekannt, an denen Kinder lutschen konnten.
Der Lutschbeutel
Vom Spätmittelalter bis ins 18. Jahrhundert war der Lutschbeutel verbreitet: ein Stück Leinen, gefüllt mit gesüßtem Brot, Zwieback, Mehl oder Brei und zugebunden. Was heute gruselig klingt: Manchmal wurde er in Branntwein getaucht oder mit Mohn gefüllt, damit das Kind ruhig wird. Ein Altarbild aus dem 15. Jahrhundert in Aschersleben zeigt einen solchen Beutel.
Daher stammt übrigens das ostmitteldeutsche Wort Zulp: Zulpen hießen die Reste beim Flachsbrechen – und aus Leinenresten waren die ersten „Schnuller“.
Gummi verändert alles
1839 entwickelte Charles Goodyear die Vulkanisation, die Kautschuk elastisch und haltbar macht. Um 1840 kam der „Wonnesauger“ aus schwarzem Gummi auf. Ganz unumstritten war das neue Ding nicht: Noch 1904 stritten Ärzte auf einem Kongress in Breslau darüber, ob Gummischnuller überhaupt zulässig sein sollten.
1949: der kiefergerechte Schnuller
Den Schnuller in seiner heutigen Form verdanken wir zwei Zahnmedizinern: Adolf Müller und Wilhelm Balters ließen ihren kiefergerechten Sauger im August 1949 patentieren. Ihre Beobachtung: Gestillte Kinder hatten seltener Zahn- und Kieferfehlstellungen – also sollte der Sauger der Brustwarze nachempfunden sein. 1956 kam er unter dem Namen NUK auf den Markt, kurz für „natürlich und kiefergerecht“.
Und dann kamen die Lippen, die Schnurrbärte und die Schweinenasen. Die Geschichte der lustigen Schnuller hat sich nicht so gut dokumentieren lassen – aber unsere eigene beginnt 2011 mit einer Ankündigung und 2012 mit einem kleinen Onlineshop, aus dem bald unser eigener Kuhschnuller hervorging.
Wie heißt der Schnuller bei euch?
„Schnuller“ ist seit dem 18. Jahrhundert belegt und kommt vom lautmalenden „schnullen“, also lutschen. Aber kaum ein Gegenstand hat so viele regionale Namen:
| Region | Namen |
|---|---|
| Landschaftlich & umgangssprachlich | Nuckel, Nuddel, Nutsch, Lutscher, Nunni, Duddu |
| Mitteldeutschland | Nulp, Zuller, Nuppel, Zulp; in Sachsen Nubbel |
| Süddeutschland & Bayern | Luller, Schlotzer (schwäbisch), Zutzel (oberdeutsch), Duzl (Altbayern) |
| Rheinland | Bubu (rheinisch-bergisch) |
| Schweiz | Nuggi, Nüggel, Lulli |
| Österreich | Duttel, Fopper, Luller, Zuz, Zuzzi |
| Kindersprache | Dudu |
Wer in Bayern einen Schnuller sucht, wird übrigens beim Weisswurst-Zuzl-Trainer fündig.
Quellen
Wikipedia: Schnuller, NUK (Marke), Vulkanisation · Beobachter: Wer hat eigentlich den Schnuller erfunden? · aponet: Was Sie noch nicht über Schnuller wissen (2012) · Duden: Schnuller, Nuckel, Zulp · Wiktionary: Schnuller · Tiroler Tageszeitung (02.09.2019).
Häufige Fragen
Wer hat den Schnuller erfunden?
Vorläufer gab es schon im alten Ägypten. Den kiefergerechten Schnuller in heutiger Form ließen die Zahnmediziner Adolf Müller und Wilhelm Balters 1949 patentieren; ab 1956 hieß er NUK.
Was bedeutet NUK?
NUK steht für „natürlich und kiefergerecht“.
Wie heißt der Schnuller in der Schweiz?
Nuggi oder Nüggel.



