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Wie wird ein Schnuller hergestellt? Ein Blick in die Fabrik

Flüssigsilikon, Naturkautschuk, Spritzguss und Zugtests: wie aus Rohstoffen ein Schnuller wird, was geprüft wird und wo in Deutschland Schnuller entstehen.

5 Min. LesezeitAktualisiert: 12.10.2026
KI-Bild: Mitarbeiterin mit Haarnetz prüft frisch gefertigte Schnuller auf einem Förderband
KI-Symbolbild
Inhalt
  1. Die drei Bauteile
  2. Silikon: flüssig rein, fest raus
  3. Latex: vom Baum in den Babymund
  4. Schild, Druck und Montage
  5. Geprüft wird alles, was reißen kann
  6. Made in Germany: wo Schnuller entstehen
  7. Häufige Fragen

Ein Schnuller sieht simpel aus: Sauger, Schild, Knopf oder Ring. Tatsächlich steckt darin ziemlich viel Chemie, Maschinenbau und Prüftechnik – schließlich landet er in einem der empfindlichsten Münder der Welt. Ein Rundgang von der Rohmasse bis zur Packung.

Die drei Bauteile

Ein klassischer Schnuller besteht aus drei Teilen:

  • Saugteil: aus Silikon oder Latex (Naturkautschuk).
  • Schild: die Platte vor dem Mund, die das Verschlucken verhindert. Im Öko-Test 2022 hatten sieben von zwölf Modellen ein Schild aus Polypropylen, drei eines aus Silikon, eines aus dem Copolyester Tritan.
  • Knopf oder Ring: zum Greifen und Herausnehmen.

Beim lustigen Schnuller sitzt auf dem Schild das, worum es eigentlich geht: der Kussmund, der Schnurrbart, das Ferkelgesicht.

Silikon: flüssig rein, fest raus

Die meisten modernen Sauger bestehen aus Silikonkautschuk. In der Fertigung wird dafür oft Flüssigsilikon verarbeitet (englisch Liquid Silicone Rubber, kurz LSR). Das chemie.de-Lexikon nennt Beruhigungs- und Trinkschnuller ausdrücklich als Anwendungsbeispiel. So läuft das Verfahren ab:

  1. Mischen: LSR kommt als zwei Komponenten A und B, die im Verhältnis 1:1 in einer Misch- und Dosieranlage zusammengeführt werden. Farbe kann in kleinen Mengen zugegeben werden.
  2. Spritzgießen: Die Masse wird kühl gehalten (etwa 20–25 °C), damit sie nicht vorzeitig aushärtet, und dann in eine heiße Form gespritzt – das Werkzeug hat etwa 170–220 °C. Dort vernetzt das Silikon in der Hitze zum elastischen Sauger.
  3. Tempern: Für Babyartikel, Lebensmittel- und Medizinprodukte müssen herkömmliche Flüssigsilikone laut dem Hersteller Wacker in der Regel über Stunden nachbehandelt (getempert) werden. Dabei verbessern sich die mechanischen Eigenschaften, und der Anteil flüchtiger Bestandteile sinkt. Wacker bietet inzwischen auch Typen an, die ohne diesen Schritt auskommen sollen.

Weil Silikon so dünnflüssig ist, müssen die Formen sehr eng toleriert sein. Wie anspruchsvoll das ist, zeigt eine Anekdote aus dem MAM-Nachhaltigkeitsbericht 2013/2014: Für einen Sauger mit besonders dünnem Hals musste erst getüftelt werden, wie die Spritzgussformen überhaupt aussehen und hergestellt werden könnten.

Latex: vom Baum in den Babymund

Latexsauger bestehen aus Naturkautschuk. Damit der elastisch und reißfest wird, muss er vulkanisiert werden – das Verfahren hat Charles Goodyear 1839 entwickelt. Dabei werden die Kautschukmoleküle miteinander vernetzt.

Genau hier liegt eine Herausforderung: Bestimmte Beschleuniger, die bei der Vulkanisation eingesetzt werden, können zu Nitrosaminen werden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schreibt aber, dass sich das durch geeignete Beschleuniger nach heutigem Stand weitgehend vermeiden lässt. Für Sauger gelten strenge Grenzwerte. Mehr dazu im Ratgeber Schadstoffe im Schnuller.

Manche Hersteller kümmern sich selbst um den Rohstoff: MAM gibt im Nachhaltigkeitsbericht 2013/2014 an, im thailändischen Hat Yai seit 2002 am eigenen Standort „Thaimed“ Latex zu produzieren und dort Latexsauger herzustellen.

Schild, Druck und Montage

Auch Schild und Knopf müssen gefertigt, montiert und – bei Motivschnullern – bedruckt werden. Novatex etwa nennt für seine Fertigung Spritzguss-, Montage-, Druck- und Konfektionierungsanlagen. Gerade beim Druck wird es für lustige Schnuller spannend: MAM schreibt, dass bedruckte Produkte regelmäßig auf Haltbarkeit und Oberflächenhaftung geprüft werden, keine schädlichen Farbstoffe migrieren dürfen und alle Drucke gegen Schweiß und Speichel beständig sein müssen. Das sind Herstellerangaben, zeigen aber, worauf es beim Motiv ankommt.

Ein Sonderfall sind nachtleuchtende Schnuller. MAM hat 2014 angegeben, dass bei seinen Leuchtschnullern das Pigment Strontiumaluminat im Knopf sitzt, tagsüber Licht aufnimmt und es nachts wieder abgibt. Wie das physikalisch funktioniert, erklärt unser Ratgeber Wie leuchten nachtleuchtende Schnuller? Wer tiefer in die Welt der Nachleuchtstoffe einsteigen möchte, findet viele Antworten in den FAQ zu Nachleuchtstoffen bei premium-leuchtstoffe.de – ein Schwesterprojekt aus demselben Haus.

Geprüft wird alles, was reißen kann

Maßstab für die Sicherheit ist die Schnullernorm DIN EN 1400; seriöse Hersteller lassen ihre Schnuller danach prüfen. Wie solche Prüfungen aussehen, beschreibt Stiftung Warentest für seinen Schnullertest:

  • Fallgewicht: Ein Kilogramm Stahl fällt fünfmal aus 10 cm Höhe auf den Schnuller.
  • Durchstichfestigkeit: Ein zahnähnliches Werkzeug versucht, den Sauger zu durchbohren.
  • Reiß-, Beiß- und Zugfestigkeit: Die Teile dürfen sich nicht lösen – auch nicht nach den Belastungsprüfungen.
  • Maße und Luftlöcher: Größe von Saugteil, Schild und Ring sowie Größe und Anordnung der Luftlöcher werden kontrolliert.
  • Chemie: Schwermetalle, Nitrosamine, Formaldehyd, Bisphenole, Phthalate, PAK und Siloxane.

Dazu kommen die Kontrollen in der Fabrik. NUK beschreibt in einer Broschüre, dass jeder neue Schnuller auf Zugfestigkeit geprüft, von Montagerobotern und Kameras überwacht und von geschulten Mitarbeitern kontrolliert werde; auch unabhängige Prüfer kontrollierten regelmäßig die Produktion im deutschen Werk. Behörden schauen ebenfalls hin: Die österreichische AGES untersuchte etwa 18 Schnullerproben auf Inhaltsstoffe – keine wurde beanstandet.

Made in Germany: wo Schnuller entstehen

Deutschland ist nicht nur das Land, in dem der kiefergerechte Schnuller erfunden wurde – hier werden auch heute noch Schnuller gefertigt. Zwei Beispiele mit belegten Standorten:

HerstellerSitzWas belegt ist
MAPA GmbH (Marke NUK)Zeven, NiedersachsenNUK ist eine Marke der MAPA GmbH in Zeven, die zu Newell Brands gehört. Die Hanseatische Gummiwarenfabrik, ab 1969 MAPA, brachte den NUK-Sauger 1956 auf den Markt. NUK spricht in seiner Broschüre von „unserem deutschen Werk“.
Novatex GmbH (Marken Dentistar, Baby Nova)Pattensen bei HannoverLaut Unternehmen inhabergeführt. Die Fertigung sitzt in Wernigerode im Harz: Dort entsteht ein wesentlicher Teil der Kernprodukte wie Schnuller, Schnullersauger und Trinksauger, mit Spritzguss-, Montage-, Druck- und Konfektionierungsanlagen.

Andere Marken arbeiten international. MAM etwa beschreibt in seinem Nachhaltigkeitsbericht 2013/2014 Forschung und Entwicklung in Österreich, Montage und Verpackung im ungarischen Vaskeresztes und die Latexproduktion in Thailand; 85 Prozent der Lieferanten kamen damals aus Österreich. Ob ein Schnuller sicher ist, hängt aber nicht am Produktionsland, sondern an Norm, Prüfung und Material.

Tiere

NUK Sesamstraße

NUK

Ernie mit Quietscheentchen, das Krümelmonster mit Keks – und als Bonus Donald Duck im Matrosenanzug.

Silikon6–18 oder 18–36 Monate (Herstellerangabe 2013)
Steckbrief →Amazon (Werbelink)
KI-BildFan

NUK Fußball

NUK

Schwarze Fünfecke auf weißem Schild: Der Schnuller sieht aus wie ein Lederball – nur dass dein Kind ihn nicht wegkicken soll.

SilikonGröße 3, 18–36 Monate (laut Verpackung)
Steckbrief →Amazon (Werbelink)

Quellen

chemie.de: Liquid Silicone Rubber · Wacker Chemie AG: ELASTOSIL LR 5040 – temperfreies Produzieren (Produktinformation 2020) · NUK/MAPA GmbH: Broschüre „Schnuller“ (Herstellerangaben) · Wikipedia: NUK (Marke); Vulkanisation · Novatex GmbH: Unternehmensseite · MAM: Nachhaltigkeitsbericht 2013/2014 (Herstellerangaben) · BfR: Stellungnahme Nr. 005/2012 · Stiftung Warentest: Prüfmethode Schnuller (2026) · AGES: Inhaltsstoffe von Beruhigungssaugern · Öko-Test: Silikonschnuller im Test (2022) · zm-online: MAM-Leuchtschnuller (2014).

Häufige Fragen

Woraus besteht ein Schnuller?

Aus einem Saugteil aus Silikon oder Latex, einem Schild (oft aus Polypropylen) und einem Knopf oder Ring. Das Schild verhindert, dass der Schnuller ganz in den Mund rutscht.

Wie wird ein Silikonsauger hergestellt?

Meist im Spritzguss: Flüssigsilikon aus zwei Komponenten wird gemischt und in eine heiße Form gespritzt, wo es aushärtet. Für Babyartikel wird herkömmliches Flüssigsilikon danach oft über Stunden getempert.

Werden Schnuller in Deutschland hergestellt?

Ja. NUK gehört zur MAPA GmbH in Zeven und spricht von einem deutschen Werk. Novatex (Dentistar, Baby Nova) sitzt in Pattensen und fertigt nach eigenen Angaben in Wernigerode.