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Schadstoffe im Schnuller: was drin sein darf – und was nicht

Bisphenol A, Nitrosamine, Weichmacher, Siloxane: welche Stoffe im Schnuller kritisch sind, welche Grenzwerte gelten und was aktuelle Tests gefunden haben.

5 Min. LesezeitAktualisiert: 12.10.2026
KI-Bild: Schnuller in einer Petrischale neben Reagenzgläsern und Laborwaage
KI-Symbolbild
Inhalt
  1. Wie Schadstoffe überhaupt geprüft werden
  2. Bisphenol A (BPA)
  3. Nitrosamine
  4. Weichmacher (Phthalate)
  5. Siloxane und PAK
  6. Die Bilanz: besser als ihr Ruf
  7. Häufige Fragen

Ein Schnuller verbringt viele Stunden im Babymund, umspült von warmem Speichel. Deshalb ist die Frage berechtigt, ob dabei Stoffe herauswandern, die da nicht hingehören. Die gute Nachricht vorweg: Die meisten Schnuller schneiden in aktuellen Tests gut ab. Die weniger gute: Ganz verschwunden sind die Problemstoffe nicht. Hier der Überblick – sachlich, ohne Panik.

Wie Schadstoffe überhaupt geprüft werden

Für Schnuller gilt die Sicherheitsnorm DIN EN 1400 (aktuelle Fassung 2018). Sie regelt nicht nur die Mechanik, sondern auch die Chemie: Laut der österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) umfasst sie unter anderem flüchtige Bestandteile im Saugermaterial, Bisphenol A im Schild, die Freisetzung von Elementen wie Chrom und Blei sowie Nitrosamine. Mit der Fassung von 2018 kamen laut DIN Media Grenzwerte für Chrom (VI) und zinnorganische Verbindungen sowie eine Anforderung zu Bisphenol A hinzu.

Verbrauchertests gehen teils darüber hinaus. Stiftung Warentest untersucht Schnuller auf Schwermetalle, Nitrosamine, Formaldehyd, Bisphenole, Phthalate (Weichmacher), polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Siloxane. Für die Nitrosamine liegen die Sauger dabei 24 Stunden bei 40 °C in einer Speichelprüflösung.

Bisphenol A (BPA)

Was es ist: BPA ist ein Grundstoff für bestimmte Kunststoffe. Es ist in der EU als besonders besorgniserregender Stoff eingestuft, weil es dem Hormon Östrogen ähnelt und das Hormonsystem beeinflussen kann, so der österreichische Verein für Konsumenteninformation (VKI). Stiftung Warentest beschreibt BPA als hormonell wirksam und möglicherweise fruchtbarkeitsschädigend.

Wo es im Schnuller steckt: Die Schnullernorm prüft BPA im Schild, also im Kunststoffteil. Beim Rückruf im Herbst 2025 gab der betroffene Hersteller ebenfalls an, dass das BPA im Schild saß, nicht im Silikonsauger. Der VKI hat 2026 zusätzlich das Mundstück untersucht.

Was die Tests fanden:

  • Tschechien, 2025: Verbraucherorganisationen ließen 21 Schnuller aus Tschechien, Slowenien, Ungarn und vom Marktplatz Temu in künstlichem Speichel untersuchen. Vier gaben BPA ab – darunter Produkte mit dem Hinweis „BPA-frei“. Der Hersteller Curaden rief daraufhin die Serie „Curaprox Baby Grow with Love“ zurück (Chargen 006 bis 011).
  • Österreich, April 2026: Der VKI fand in 6 von 18 Schnullern Spuren von BPA. Er testete dabei strenger als die Norm: mit künstlichem Speichel bei 37 °C statt Wasser bei 20 °C, und neben dem Schild auch das Mundstück. Zwölf Schnuller waren frei von BPA und bekamen „sehr gut“. Als mögliche Ursache nennt der VKI Verunreinigungen in Produktion und Verpackung – absichtlich zugesetztes BPA in Schnullern und Beißringen ist in Österreich seit 2011 verboten.

Rechtlicher Hintergrund: Für Lebensmittelkontaktmaterialien wie Verpackungen und Geschirr hat die EU BPA mit der Verordnung (EU) 2024/3190 verboten; sie gilt seit dem 20. Januar 2025, mit Übergangsfristen. Der VKI kritisiert, dass der BPA-Wert der Schnullernorm inzwischen etwa zehnmal höher liegt als das, was dort als technisch vermeidbar gilt.

Nitrosamine

Was sie sind: N-Nitrosamine können entstehen, wenn Gummi vulkanisiert wird – bestimmte Vulkanisationsbeschleuniger wandeln sich dabei um. Einige Nitrosamine sind laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) erbgutverändernde Krebserreger, für die sich keine sichere Schwelle festlegen lässt. Deshalb gilt: so wenig wie möglich.

Grenzwerte: Für Sauger aus Natur- oder Synthesekautschuk dürfen laut BfR höchstens 0,01 mg freigesetzte Nitrosamine und 0,1 mg nitrosierbare Stoffe pro Kilogramm Material austreten. Nach heutigem Stand lässt sich die Entstehung durch geeignete Beschleuniger weitgehend vermeiden, schreibt das BfR.

Was die Tests fanden: Überraschenderweise traf es im Warentest von April 2026 einen Silikonschnuller: Ein Modell gab Nitrosamine knapp unter dem Grenzwert der Schnullernorm ab und wurde deshalb nur mit „ausreichend“ bewertet. Silikon ist also kein Freifahrtschein, Latex aber auch nicht automatisch belastet. Mehr zu den Materialien im Ratgeber Latex oder Silikon?

Weichmacher (Phthalate)

Phthalate werden als Weichmacher in Kunststoffen eingesetzt. Die EU hat mehrere davon streng beschränkt: Nach REACH-Anhang XVII (Eintrag 51, Fassung von 2018) dürfen Spielzeug und Babyartikel die Phthalate DEHP, DBP, BBP und DIBP nicht in Konzentrationen von 0,1 Gewichtsprozent oder mehr des weichmacherhaltigen Materials enthalten. Als Babyartikel gilt dabei ausdrücklich jedes Erzeugnis, das unter anderem das Saugen von Kindern erleichtern soll – also auch der Schnuller.

Für die Sauger selbst spielen Weichmacher kaum eine Rolle: Silikon kommt laut Öko-Test ohne Weichmacherzusatz aus. Schadstofffrei ist es damit aber nicht automatisch.

Siloxane und PAK

  • Siloxane sind Bausteine des Silikons. Die Varianten D5 und D6 reichern sich in Organismen an und werden in der Umwelt nur langsam abgebaut. Öko-Test fand sie 2025 in einigen Silikon-Beißringen. Im Schnullertest von Öko-Test 2022 wurden dagegen in keinem der zwölf Silikonschnuller bedenkliche Stoffe gefunden.
  • PAK (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe), teils krebserregend, hatte Öko-Test in früheren Tests in Silikonschnullern gefunden – möglicherweise aus der Verpackung übergegangen. 2022 spielten sie keine Rolle mehr.

Die Bilanz: besser als ihr Ruf

Unterm Strich zeigen die aktuellen Tests eher Fortschritt als Alarm:

  • Stiftung Warentest (2026): 11 von 13 Silikonschnullern gelten als sicher.
  • Öko-Test (2022): alle 12 Silikonschnuller bei den Inhaltsstoffen „sehr gut“.
  • AGES (Bericht veröffentlicht 2020): 18 Proben untersucht, keine beanstandet.
  • VKI (2026): 12 von 18 Schnullern ohne nachweisbares BPA.

Was du tun kannst:

  1. Auf geprüfte Ware setzen: Schnuller nach EN 1400 mit vollständigen Warnhinweisen. Stiftung Warentest fand 2026 ausgerechnet bei einem Marktplatz-Schnuller gar keine Warnhinweise.
  2. Rückrufe im Blick behalten: Stiftung Warentest berichtet auf test.de über Rückrufe und nennt die betroffenen Chargen.
  3. Pfleglich behandeln: Philips Avent rät, Schnuller nicht in die Sonne oder neben Wärmequellen zu legen und nicht länger als empfohlen in Sterilisierlösung liegen zu lassen.
  4. Regelmäßig ersetzen: Bei Loch, Riss oder deutlichen Bissspuren sofort, ansonsten nach Herstellerangabe.

Woran du einen sicheren Schnuller sonst noch erkennst, steht im Ratgeber Sind lustige Schnuller sicher? Und wie die Sauger überhaupt entstehen, erklärt Wie wird ein Schnuller hergestellt?

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Für die Schnuller oben gibt der Anbieter an, dass sie der EN 1400 entsprechen. Eigene Laboranalysen haben wir nicht durchgeführt.

Quellen

Verein für Konsumenteninformation (VKI): VKI-Test Schnuller – ein Drittel enthält Spuren von Bisphenol A (21.04.2026) · Stiftung Warentest: Schnuller im Sicherheitstest (23.04.2026); Prüfmethode; Schnuller von Curaden – Rückruf nach Schadstoff-Fund (07.10.2025) · Arnika: Dangerous chemicals in children pacifiers (2025) · BfR: Stellungnahme Nr. 005/2012 zu N-Nitrosaminen · DIN Media: DIN EN 1400:2018-11 · AGES: Inhaltsstoffe von Beruhigungssaugern · Öko-Test: Silikonschnuller im Test (2022); Beißringe im Test (2025) · Verordnung (EU) 2018/2005 (REACH Anhang XVII, Eintrag 51) · EU-Kommission, Access2Markets: BPA-Verbot nach VO (EU) 2024/3190 · Philips Avent: Gebrauchsanleitung.

Häufige Fragen

Ist in Schnullern Bisphenol A?

In den meisten nicht. Der VKI fand 2026 aber in 6 von 18 Schnullern Spuren, tschechische Verbraucherschützer 2025 in 4 von 21. Die Schnullernorm prüft BPA im Kunststoffschild. Ein Hersteller hat 2025 eine Serie zurückgerufen.

Sind Latexschnuller wegen Nitrosaminen gefährlicher?

Nicht automatisch. Nitrosamine können bei der Vulkanisation von Gummi entstehen, sind aber laut BfR durch geeignete Verfahren weitgehend vermeidbar und streng begrenzt. Im Warentest 2026 fiel sogar ein Silikonschnuller mit Nitrosaminen knapp unter dem Grenzwert auf.

Enthalten Schnuller Weichmacher?

Silikon kommt ohne Weichmacher aus. Für Babyartikel – dazu zählen Schnuller – beschränkt die EU bestimmte Phthalate auf unter 0,1 Gewichtsprozent des weichmacherhaltigen Materials.