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Schnuller und Stillen

Ab wann ein Schnuller für Stillbabys okay ist, was die Forschung zur Saugverwirrung wirklich zeigt und was BIÖG, WHO und Cochrane empfehlen.

4 Min. LesezeitAktualisiert: 12.10.2026
KI-Bild: Mutter im Schaukelstuhl wiegt ihr schlafendes Neugeborenes, auf dem Beistelltisch liegt ein Schnuller
KI-Symbolbild
Inhalt
  1. Ab wann darf der Schnuller ran?
  2. Saugverwirrung: was ist dran?
  3. Was die WHO sagt
  4. Warum Schnuller und Stillen sogar zusammenpassen
  5. Tipps für Stillfamilien
  6. Und später?
  7. Häufige Fragen

Kaum ein Babythema wird so leidenschaftlich diskutiert: Bringt der Schnuller das Stillen durcheinander? Die einen warnen eindringlich vor der „Saugverwirrung“, die anderen zucken mit den Schultern. Die Wahrheit liegt – wie so oft – irgendwo dazwischen, und sie ist besser untersucht, als viele denken.

Ab wann darf der Schnuller ran?

Die deutsche Fachstelle dafür ist das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). Auf seinem Elternportal kindergesundheit-info.de steht: Den Schnuller erst anbieten, wenn sich das Stillen eingespielt hat – frühestens nach der zweiten oder dritten Lebenswoche. Ist das Stillen eingespielt, beeinträchtigt der Schnuller es laut BIÖG nicht.

Auf dem Schwesterportal familienplanung.de nennt das BIÖG eine etwas spätere Zeitmarke: einen Schnuller nach dem ersten Lebensmonat anbieten, ohne Zwang. Dort heißt es auch: Das Stillen klappt genauso gut wie ohne Schnuller.

Beide Angaben meinen dasselbe: Erst sollen Mutter und Baby das Stillen gemeinsam lernen. Klappt das Anlegen, nimmt das Kind gut zu und hat sich der Rhythmus gefunden, ist ein Schnuller kein Problem. Ob das bei euch schon so ist, kann deine Hebamme gut einschätzen.

Saugverwirrung: was ist dran?

Die Sorge dahinter: An der Brust saugt ein Baby anders als an einem Sauger. Gewöhnt es sich an den Sauger, könnte es an der Brust schlechter trinken – und das Stillen endet früher.

Interessant ist, wie die Nationale Stillkommission den Begriff definiert. Sie beschreibt Saugverwirrung als Schwierigkeit mancher Stillkinder, ihr Saugverhalten an den Wechsel zwischen Brust und Flasche anzupassen, und empfiehlt deshalb vor allem in den ersten Lebenswochen andere Techniken zum Zufüttern. Vom Schnuller ist in dieser Definition nicht die Rede.

Was die Studien sagen

Die gründlichste Auswertung stammt von der Cochrane Collaboration, einem unabhängigen Netzwerk, das Studien systematisch zusammenfasst. Die Übersichtsarbeit von 2016 kommt zu folgendem Ergebnis:

  • Ausgewertet wurden zwei randomisierte Studien mit insgesamt 1302 gesunden, reif geborenen Babys.
  • Ob die Babys einen Schnuller frei nutzen durften oder nicht, änderte nichts daran, wie viele mit drei und vier Monaten voll oder teilweise gestillt wurden.
  • Die Qualität der Belege bewerten die Autorinnen und Autoren als moderat.

Ehrlicherweise gehören die Einschränkungen dazu: Die teilnehmenden Mütter waren zum Stillen motiviert, die Ergebnisse lassen sich also nicht ohne Weiteres auf alle Familien übertragen. Zu Stillschwierigkeiten, zur Zufriedenheit der Mütter, zu Mittelohrentzündungen oder Zahnfehlstellungen gab es keine Daten. Das Fazit der Cochrane-Autoren: Solange diese Lücken bestehen, sollen stillmotivierte Mütter selbst entscheiden.

Kurz gesagt: Bei gesunden, reif geborenen Babys und Müttern, die stillen wollen, verkürzt ein Schnuller die Stillzeit nach heutigem Wissen nicht. Für Frühchen, kranke Babys oder bei bestehenden Stillproblemen sagt diese Auswertung nichts aus.

Was die WHO sagt

WHO und UNICEF haben 1991 die Initiative „Babyfreundliches Krankenhaus“ gestartet. Ihre „Zehn Schritte zum erfolgreichen Stillen“ wurden 2018 überarbeitet. Schritt 9 lautet heute sinngemäß: Mütter über den Gebrauch und die Risiken von Flaschen, Saugern und Schnullern beraten. Die Cochrane-Autoren beschrieben die WHO-Linie 2016 noch strenger – Schnuller bei Stillkindern ganz vermeiden. Aus „lieber nicht“ ist also „gut informiert entscheiden“ geworden.

Warum Schnuller und Stillen sogar zusammenpassen

Beim Thema plötzlicher Kindstod empfiehlt das BIÖG beides: möglichst sechs Monate voll stillen und dem Baby zum Einschlafen einen Schnuller anbieten, sobald das Stillen eingespielt ist. Beides kann das Risiko senken. Wie das im Alltag aussieht, liest du im Ratgeber Schnuller im Schlaf.

Tipps für Stillfamilien

  • Hunger geht vor: Zeigt dein Baby Hungerzeichen, leg es an. Das BIÖG warnt ausdrücklich davor, den Schnuller zu nutzen, um das Stillen oder Fläschchen hinauszuzögern.
  • Erst ankommen lassen: In den ersten zwei bis vier Wochen gehört das Saugen an die Brust.
  • Nicht aufdrängen: Spuckt dein Baby den Schnuller immer wieder aus, ist das in Ordnung. Laut BIÖG hat ein Kind ohne Schnuller kein höheres Risiko.
  • Nie süßen: Kein Honig, kein Zucker auf den Sauger.
  • Die richtige Größe: Für Neugeborene gibt es eigene kleine Größen. Mehr im Ratgeber Schnuller-Größen und Formen.
  • Sauber halten: Gerade in den ersten Monaten täglich gründlich reinigen – siehe Schnuller reinigen.
  • Hilfe holen: Trinkt dein Baby schlecht an der Brust, nimmt es wenig zu oder hast du Schmerzen beim Stillen, sprich mit deiner Hebamme, einer Stillberaterin oder eurer Kinderarztpraxis. Ob der Schnuller dabei eine Rolle spielt, klärt ihr dort gemeinsam.

Und später?

Das BIÖG empfiehlt, den Schnuller nach dem ersten Lebensjahr möglichst nicht mehr zu verwenden. Langer Gebrauch kann zu Fehlstellungen des Gebisses führen, außerdem erhöht Schnullern das Risiko für Mittelohrentzündungen. Wie das Loslassen gelingt, steht im Ratgeber Schnuller abgewöhnen.

Unsere Meinung: Ein lustiger Schnuller mit Kussmund ist kein Grund für Stillstress. Wenn das Stillen läuft, darf der Spaß-Faktor einziehen – mit einem geprüften Schnuller nach EN 1400 in der richtigen Größe.

Quellen

kindergesundheit-info.de (BIÖG): Senkt ein Schnuller beim Schlafen das Risiko des plötzlichen Kindstodes? und Vorbeugung Kindstod (14.09.2024) · familienplanung.de (BIÖG): Plötzlicher Kindstod (16.06.2025) · Jaafar SH et al.: Effect of restricted pacifier use in breastfeeding term infants for increasing duration of breastfeeding, Cochrane Database of Systematic Reviews 2016 · WHO: Ten steps to successful breastfeeding (Fassung 2018) · Nationale Stillkommission: Einheitliche Terminologie zur Säuglingsernährung (2007).

Häufige Fragen

Ab wann darf ein Stillbaby einen Schnuller bekommen?

Laut BIÖG, wenn das Stillen eingespielt ist – frühestens nach der zweiten oder dritten Lebenswoche. Auf familienplanung.de nennt das BIÖG „nach dem ersten Lebensmonat“. Im Zweifel fragst du deine Hebamme.

Gibt es Saugverwirrung durch den Schnuller wirklich?

Die Nationale Stillkommission beschreibt Saugverwirrung beim Wechsel zwischen Brust und Flasche. Für den Schnuller fand eine Cochrane-Auswertung bei gesunden, reif geborenen Babys stillmotivierter Mütter keinen Einfluss auf die Stillrate mit drei und vier Monaten.

Was empfiehlt die WHO zum Schnuller?

In der Fassung von 2018 der „Zehn Schritte zum erfolgreichen Stillen“ sollen Kliniken Mütter über Gebrauch und Risiken von Flaschen, Saugern und Schnullern beraten. Ein pauschales Verbot steht dort nicht.