Zum Inhalt springen

Zahnen: Beißring statt Bernsteinkette – was wirklich hilft

Wann kommt der erste Zahn, was hilft beim Zahnen, warum der Beißring in den Kühlschrank statt ins Gefrierfach gehört und Bernsteinketten gefährlich sind.

5 Min. LesezeitAktualisiert: 12.10.2026
KI-Bild: sabberndes, lachendes Baby kaut auf einem bunten Silikon-Beißring
KI-Symbolbild
Inhalt
  1. Wann kommt der erste Zahn?
  2. Anzeichen: woran du das Zahnen erkennst
  3. Beißring oder Schnuller?
  4. Kühl-Beißringe: Kühlschrank ja, Gefrierfach nein
  5. Bernsteinketten: Finger weg
  6. Und Möhre, Brotrinde, Veilchenwurzel?
  7. Häufige Fragen

Erst sabbert das Baby den Strampler durch, dann kaut es auf allem herum, was nicht bei drei auf dem Bücherregal ist – inklusive deiner Finger. Willkommen in der Zahnungszeit. Hier erfährst du, wann die Zähne kommen, was Beißring und Schnuller leisten und von welchen „Hausmitteln“ Fachleute dringend abraten.

Wann kommt der erste Zahn?

Die Spannbreite ist groß. Die Techniker Krankenkasse nennt den 4. bis 7. Lebensmonat als üblichen Zeitraum für den ersten Milchzahn; manche Babys zeigen ihn schon im 3. Monat, andere erst mit einem Jahr oder später. Die Stiftung Kindergesundheit nennt einen Durchschnitt von sieben Monaten und drei Tagen – kein Grund also, den Kalender zu zücken.

Die typische Reihenfolge laut Stiftung Kindergesundheit:

Zähneungefähr
Untere Schneidezähnemeist als Erstes
Obere Schneidezähnedanach
Erste Milchbackenzähnemit etwa 12 Monaten
Eckzähnemit 16 bis 20 Monaten
Zweite Milchbackenzähnemit 20 bis 24 Monaten

Dann sind alle 20 Milchzähne da. Die TK schreibt, dass das Milchgebiss meist bis zum dritten Geburtstag komplett ist.

Anzeichen: woran du das Zahnen erkennst

Laut TK gehören vermehrtes Sabbern, Unruhe und der Drang, auf Gegenständen herumzukauen, zu den verlässlichsten Hinweisen. Manche Kinder schlafen schlechter oder haben rote Wangen. Die Stiftung Kindergesundheit beschreibt außerdem gerötetes Zahnfleisch und eine leicht erhöhte Temperatur.

Ganz wichtig: Zahnen macht nicht krank. Das betont die Stiftung Kindergesundheit ausdrücklich. Dass gerade zwischen dem sechsten und achten Monat häufiger Infekte auftreten, liegt eher daran, dass in dieser Zeit der Nestschutz durch die mütterlichen Abwehrstoffe nachlässt. Eine brasilianische Metaanalyse, für die 1179 Fachveröffentlichungen gesichtet wurden, ergab laut Stiftung: Zahnen führt zwar häufiger zu leicht erhöhter Temperatur, aber nur selten zu Fieber über 38 Grad.

Bei Fieber zum Arzt: Hohes Fieber, Durchfall oder ein Kind, das richtig krank wirkt, solltest du nicht einfach aufs Zahnen schieben. Die Stiftung Kindergesundheit rät, dann an andere Ursachen zu denken und das Kind der Kinderärztin oder dem Kinderarzt vorzustellen.

Beißring oder Schnuller?

Beides hat beim Zahnen seinen Platz, aber nicht denselben Job. Der Schnuller ist zum Saugen gemacht, der Beißring zum Kauen. Öko-Test schreibt in seinem Schnullertest ganz klar: Bei Zahnungsbeschwerden sind Beißringe besser geeignet. Das hat einen handfesten Grund: Ein Schnuller muss Bissen zwar aushalten – die Schnullernorm EN 1400 prüft unter anderem die Beißfestigkeit –, er ist aber nicht als Kauspielzeug gedacht.

Gerade in der Zahnungszeit lohnt deshalb ein besonders kritischer Blick auf den Schnuller: Vor jedem Gebrauch in alle Richtungen ziehen und bei Loch, Riss oder tiefen Bissspuren sofort austauschen, rät Stiftung Warentest. Ein angekauter Sauger kann einreißen, und abgebissene Stückchen können verschluckt werden.

Wenn die ersten Zähnchen da sind, ändert sich übrigens auch die Pflege: Ab dem ersten Zahn sollte laut TK zweimal täglich mit fluoridhaltiger Kinderzahnpasta geputzt werden. Wie Schnuller und Zähne zusammenpassen, erklärt der Ratgeber Schnuller und Zähne.

Kühl-Beißringe: Kühlschrank ja, Gefrierfach nein

Kälte tut dem gereizten Zahnfleisch gut. Aber eben nur Kühlschrank-Kälte. Darin sind sich die Fachstellen einig:

  • Öko-Test (2025): Beißringe niemals einfrieren – sie können Erfrierungen an Lippen und Schleimhäuten verursachen. Die Temperatur im Kühlschrank reicht völlig aus.
  • Stiftung Kindergesundheit: Mit Wasser gefüllte, gekühlte Beißringe eignen sich besonders gut – ausdrücklich „nicht aus dem Tiefkühlfach“.
  • TK: Gekühlte Beißringe im Kühlschrank aufbewahren, nicht im Gefrierfach, um das Zahnfleisch nicht zu schädigen.

Worauf du beim Kauf und im Alltag achten solltest:

  • Glatt und ohne Kanten: Spielsachen zum Kauen sollten laut Stiftung Kindergesundheit glatt sein, damit das Zahnfleisch nicht verletzt wird.
  • Regelmäßig prüfen: Vor jedem Gebrauch auf Abnutzung kontrollieren und beschädigte Beißringe entsorgen, rät Öko-Test – besonders bei flüssigkeitsgefüllten Modellen.
  • Material: Bei Naturkautschuk ist eine Latexallergie möglich. Im Öko-Test 2025 fanden sich in einigen Silikon-Beißringen die Siloxane D5 und D6; insgesamt war die Schadstofflage aber deutlich besser als 2020.
  • Reinigung: Die Herstellerangaben unterscheiden sich stark. Öko-Test hält Wasser mit mildem Spülmittel für ausreichend; wer heißer reinigen will, wählt ein Modell, das ausgekocht oder dampfsterilisiert werden darf.

Finger statt Gadget: Oft hilft schon, die Zahnleiste mit einem sauberen Finger sanft zu massieren – das empfehlen sowohl die Stiftung Kindergesundheit als auch die TK.

Bernsteinketten: Finger weg

Bernsteinketten für Babys werden bis heute als Zahnungshilfe verkauft. Die Fachleute sind sich einig, dass das eine schlechte Idee ist:

  • Keine Wirkung belegt: Laut Öko-Test gibt es keine wissenschaftlichen Belege, dass Bernsteinketten beim Zahnen helfen. Die Stiftung Kindergesundheit nennt den Glauben daran „wissenschaftlich unhaltbar und sogar gefährlich“.
  • Strangulation: Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) warnt laut Öko-Test vor Strangulation, wenn das Kind mit der Kette irgendwo hängen bleibt. Die Stiftung Kindergesundheit warnt, dass die Ketten das Kind beim Spielen und Schlafen verletzen und strangulieren können.
  • Verschlucken: Reißt die Kette oder lösen sich beim Kauen Bruchstücke, können sie verschluckt oder in Nase und Ohren gesteckt werden.
  • Behördenwarnung: Die US-Arzneimittelbehörde FDA warnte im Dezember 2018 vor Zahnungsketten und -armbändern aus Bernstein, Holz, Marmor oder Silikon. Anlass waren unter anderem ein 18 Monate altes Kind, das während des Mittagsschlafs von seiner Bernsteinkette stranguliert wurde, und ein 7 Monate altes Kind, das sich an einer Perle eines hölzernen Zahnungsarmbands verschluckte und ins Krankenhaus musste.

Für Schnullerketten gilt übrigens dasselbe Grundprinzip: nie um den Hals, nur kurz an der Kleidung. Details im Ratgeber Schnullerkette sicher.

Und Möhre, Brotrinde, Veilchenwurzel?

Auch bei „natürlichen“ Kauhilfen ist Vorsicht angesagt. Aus Karotten oder harten Brotrinden können laut Stiftung Kindergesundheit leicht Stücke abbrechen und in den falschen Hals geraten – Erstickungsgefahr. Öko-Test rät aus demselben Grund von Karotten ab. Veilchenwurzeln werden beim Kauen elastisch, eine Wirkung ihrer ätherischen Öle gegen Zahnungsschmerzen ist aber nicht belegt, und sie verkeimen leicht.

Bei starken Schmerzen empfiehlt eine BVKJ-Sprecherin laut Öko-Test, für ein bis zwei Nächte ein Schmerzmittel wie Paracetamol zu geben – im Zweifel nach Rücksprache mit der Kinderarztpraxis, die auch die richtige Dosierung kennt.

Ein kleiner Trost zum Schluss: Die Stiftung Kindergesundheit erinnert daran, dass die ersten Zähne kein Grund zum Abstillen sind. Solange der Gegenbiss fehlt, verdeckt beim Trinken die Zunge die unteren Zähne.

Quellen

Stiftung Kindergesundheit: Zähnekriegen macht nicht krank! (Newsletter Oktober 2019) · Techniker Krankenkasse: Erster Zahn – wann bekommen Kinder Zähne? · Öko-Test: Beißringe im Test (2025); Baby zahnt – wie sinnvoll sind Bernsteinketten, Veilchenwurzeln & Co.? (2025); Silikonschnuller im Test (2022) · U.S. Food and Drug Administration: Warnung vor Zahnungsschmuck (Dezember 2018, berichtet u. a. von ABC11) · Stiftung Warentest: Schnuller im Sicherheitstest (2026).

Häufige Fragen

Darf ich einen Beißring einfrieren?

Nein. Öko-Test, die Stiftung Kindergesundheit und die TK raten einhellig, Beißringe nur im Kühlschrank zu kühlen. Gefrorene Beißringe können Lippen und Schleimhäute schädigen.

Helfen Bernsteinketten beim Zahnen?

Eine Wirkung ist wissenschaftlich nicht belegt. Kinderärzte und die Stiftung Kindergesundheit warnen vor Strangulation und verschluckten Perlen; die US-Behörde FDA hat 2018 offiziell vor Zahnungsschmuck gewarnt.

Wann bekommt mein Baby den ersten Zahn?

Meist zwischen dem 4. und 7. Lebensmonat, im Schnitt mit gut sieben Monaten. Manche Babys bekommen ihn laut TK aber auch erst mit einem Jahr oder später.