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Schnuller und Zähne

Karies durch Ablecken und Süßen, offener Biss und Kreuzbiss, Daumen oder Schnuller: was Zahnärzte und Kinderärzte sagen – und wann du zum Zahnarzt gehst.

5 Min. LesezeitAktualisiert: 12.10.2026
KI-Bild: lachendes Kleinkind mit ersten Zähnen hält Schnuller und Zahnbürste
KI-Symbolbild
Inhalt
  1. Karies: das Problem sitzt nicht im Schnuller
  2. Offener Biss: wenn sich die Schneidezähne nicht treffen
  3. Kreuzbiss: was belegt ist
  4. Daumen oder Schnuller?
  5. Bis wann ist Schnullern okay?
  6. Wann zum Zahnarzt?
  7. Häufige Fragen

Ein Schnuller mit Hasenzähnen ist lustig. Echte Hasenzähne durch zu viel Nuckeln eher nicht. Damit das Gebiss deines Kindes so gerade wird, wie es von Natur aus vorgesehen ist, hilft es, die zwei großen Baustellen zu kennen: Karies und Fehlstellungen.

Karies: das Problem sitzt nicht im Schnuller

Ein sauberer, ungesüßter Schnuller macht keine Karies. Gefährlich wird es durch das, was an ihm klebt.

Süßen ist tabu

Honig, Sirup oder Zucker auf dem Sauger – früher ein beliebter Einschlaftrick, heute ein klares Nein. kindergesundheit-info.de, das Elternportal des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), rät ausdrücklich davon ab. Auch Philips Avent warnt in der Gebrauchsanleitung: Sauger nicht in süße Substanzen oder Medikamente tauchen, das kann Karies verursachen.

Ablecken überträgt Kariesbakterien

Kariesbakterien kommen im Mund von Babys natürlicherweise nicht vor. Sie werden übertragen, meist von den Eltern – zum Beispiel, wenn du den Schnuller mit dem Mund befeuchtest oder den Löffel ableckst. Das sagen das BIÖG, der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) und die Bayerische Landeszahnärztekammer übereinstimmend. Also: abspülen, mit einem sauberen Tuch abwischen oder Ersatzschnuller nehmen. Wie du ihn richtig reinigst, steht im Ratgeber Schnuller reinigen.

Der kleine Bruder: Nuckelflaschenkaries

Noch riskanter als der Schnuller ist das Dauernuckeln an der Flasche. Laut BIÖG schädigt ständiges Nuckeln – vor allem an süßen Getränken – die Zähne nachweislich, besonders die oberen Schneidezähne. Selbst Milch kann schaden, weil der Speichel bei Dauernuckeln keine Zeit hat, den Zahnschmelz zu reparieren. Die Bundeszahnärztekammer rät: Die Flasche dient zum Trinken, nicht zum Nuckeln.

Offener Biss: wenn sich die Schneidezähne nicht treffen

Beim offenen Biss berühren sich die oberen und unteren Schneidezähne beim Zubeißen nicht, es bleibt eine Lücke. Die Bayerische Landeszahnärztekammer erklärt: Ab etwa zwei Jahren lässt der Saugreflex nach. Nuckelt ein Kind mit über drei Jahren noch häufig an Schnuller oder Flasche, kann sich der Kiefer verformen.

Die gute Nachricht kommt vom BVKJ (Meldung von 2003): In den ersten zwei Lebensjahren bildet sich ein durch den Schnuller verformter Kiefer noch von selbst zurück. Eine spätere BVKJ-Meldung (2004) ist strenger und rät, schon mit etwa sieben Monaten abzugewöhnen. Einig sind sich beide: Je früher das Nuckeln endet, desto besser die Chancen.

Wie stark die Form des Schnullers mitspielt, zeigt eine Studie der Universität Witten/Herdecke (2011, beauftragt von einem Schnullerhersteller): Von 121 Kindern mit 16 Monaten hatten 38 % mit herkömmlichem Schnuller einen offenen Biss, 5 % mit einem Schnuller mit dünnem Saugerhals und 0 % ohne Schnuller. Mehr zur Form im Ratgeber Schnuller-Größen und Formen.

Kreuzbiss: was belegt ist

Beim seitlichen Kreuzbiss beißen die oberen Backenzähne innen statt außen auf die unteren. Eine systematische Übersichtsarbeit der Universität Basel (Schmid und Kollegen, 2018) fand mäßige Belege dafür, dass Schnullern mit offenem Biss und seitlichem Kreuzbiss zusammenhängt. Zwei der ausgewerteten Studien zeigen den Einfluss der Dauer:

  • Kinder, die bis zum zweiten Geburtstag aufhörten, hatten seltener einen Kreuzbiss (17,2 %) als Kinder, die bis zum Alter von vier bis sechs Jahren nuckelten (27,3 %).
  • Von Kindern, die länger als 36 Monate einen Schnuller nutzten, hatten 25,5 % einen Kreuzbiss, bei früherem Aufhören 15,5 %.

Wichtig: Die Autorinnen und Autoren stufen beide Studien als stark verzerrungsanfällig ein und fordern bessere Forschung. Ob kiefergerechte Schnuller vor einem Kreuzbiss schützen, ist nicht belegt.

Daumen oder Schnuller?

Hier sind sich die Fachleute ungewohnt einig: Der Schnuller ist das kleinere Übel.

  • Die Bundeszahnärztekammer schreibt in ihren Hinweisen für Eltern (2021): Wo möglich, auf den Nuckel verzichten – aber ein Schnuller ist dem Daumenlutschen vorzuziehen. Daumenlutschende Babys und Kleinkinder sollten möglichst früh auf den Schnuller umgewöhnt werden, um Zungenfehlfunktionen und Zahnfehlstellungen vorzubeugen.
  • Der BVKJ ergänzt: Der Finger schadet dem Gebiss noch mehr als der Schnuller. Und wer den Schnuller abrupt wegnimmt, riskiert, dass das Kind am Daumen weiterlutscht.

Der praktische Vorteil liegt auf der Hand: Einen Schnuller kannst du irgendwann zur Schnullerfee schicken. Den Daumen nicht.

Bis wann ist Schnullern okay?

Bei der Altersgrenze gehen die Empfehlungen auseinander:

QuelleEmpfehlung
BVKJ (Kinderärzte im Netz, 2004)Abgewöhnen mit etwa 7 Monaten, Frühgeborene bis zum 1. Geburtstag
BIÖG (kindergesundheit-info.de)Nach dem 1. Lebensjahr möglichst nicht mehr
Bundeszahnärztekammer (2021)Ab dem 2. Geburtstag beendet
Bayerische LandeszahnärztekammerSpätestens mit 3 Jahren kein Schnuller und keine Flasche
BVKJ (Kinderärzte im Netz, 2003)Bis zum 3. Lebensjahr meist normal, danach drohen Fehlstellungen

Unser Fazit: Je früher, desto besser – und spätestens zum dritten Geburtstag. Wie du das ohne Drama hinbekommst, steht im Ratgeber Schnuller abgewöhnen. Einen verbreiteten Tipp, ein Loch in den Sauger zu stechen, geben wir übrigens nicht weiter: Stiftung Warentest rät, Schnuller mit Loch oder Riss zu ersetzen – ein absichtlich beschädigter Sauger ist kein sicherer Sauger mehr.

Wann zum Zahnarzt?

  • Früh: Die Bundeszahnärztekammer empfiehlt eine erste Beurteilung der Zahngesundheit in den ersten zwölf Monaten, danach zweimal jährlich Kontrollen.
  • Kostenlos: Laut BIÖG gibt es zahnärztliche Früherkennungstermine für Kinder; die erste Untersuchung kann schon zwischen dem 6. und 9. Lebensmonat stattfinden. Bei regelmäßigen Terminen kann der Zahnarzt laut Bayerischer Landeszahnärztekammer auch Zahn- und Kieferfehlstellungen früh erkennen.
  • Bei Auffälligkeiten: Siehst du eine Lücke zwischen den Schneidezähnen beim Zubeißen, schiefe Zähne oder auffällige Stellen an den Zähnen, sprich es beim nächsten Termin an – oder vereinbare einen eigenen.
  • Kieferorthopäde: Kinder mit Milchzähnen brauchen meist noch keine Zahnspange. Ein erster Besuch beim Kieferorthopäden ist laut Bayerischer Landeszahnärztekammer meistens mit etwa neun Jahren sinnvoll – Ausnahmen bespricht der Zahnarzt mit dir.
Lippen

Billy-Bob Chomp

Billy-Bob

Rote Lippen, dahinter ein Durcheinander schiefer Zähne oben und unten – der Beißer, für den der Kieferorthopäde schon mal einen Termin frei hält.

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Goldene Zahnreihen mit Rautenmuster oben und unten – der Rapstar-Look, bevor der erste echte Zahn da ist.

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Zwei Schneidezähne so groß wie Würfelzucker, eingerahmt von rosa Lippen – das Baby hat noch keinen Zahn, der Schnuller schon zwei.

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Leuchtend rote Lippen, eine Reihe großer Zähne, die beiden mittleren ganz vorn: das Grinsen eines kleinen Professors.

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Zähne, die garantiert keinen Zahnarzt brauchen: Diese Billy-Bob-Modelle sind Spaßschnuller – nur kurz und unter Aufsicht für Fotos und Fasching, nicht für den Alltag und nie zum Einschlafen.

Quellen

Bundeszahnärztekammer: Hinweise für Eltern (2021) · Bayerische Landeszahnärztekammer: Gesunde Kinderzähne (2017) · kindergesundheit-info.de (BIÖG): So bleiben Kinderzähne gesund (27.04.2026), Wie Zahnkaries entsteht (15.09.2024), Senkt ein Schnuller beim Schlafen das Risiko des plötzlichen Kindstodes? · Kinderärzte im Netz (BVKJ): Schnullerentwöhnung (2003), Nuckeln macht Zähne und Kiefer krank (2004), Schnuller des Babys nicht ablecken · Schmid KM et al.: The effect of pacifier sucking on orofacial structures, Progress in Orthodontics 2018 · Universität Witten/Herdecke via idw (2011) · Stiftung Warentest: Schnuller im Sicherheitstest (23.04.2026) · Philips Avent: Gebrauchsanleitung (Herstellerangabe).

Häufige Fragen

Bekommt mein Kind vom Schnuller Karies?

Ein sauberer, ungesüßter Schnuller verursacht keine Karies. Problematisch sind gesüßte Sauger und Ablecken durch Erwachsene, weil dabei Kariesbakterien übertragen werden. Noch riskanter ist Dauernuckeln an der Flasche.

Ist Daumenlutschen besser als ein Schnuller?

Nein. Die Bundeszahnärztekammer hält den Schnuller für die bessere Wahl und rät, Daumenlutscher möglichst früh auf den Schnuller umzugewöhnen. Laut BVKJ schadet der Finger dem Gebiss noch mehr.

Geht ein offener Biss von allein weg?

Laut BVKJ bildet sich ein durch den Schnuller verformter Kiefer in den ersten zwei Lebensjahren noch von selbst zurück. Je länger genuckelt wird, desto eher bleiben Fehlstellungen. Lass das bei den zahnärztlichen Kontrollen ansehen.

Ab wann sollte mein Kind zum Zahnarzt?

Die Bundeszahnärztekammer empfiehlt eine erste Beurteilung in den ersten zwölf Monaten. Die erste kostenlose Früherkennung ist laut BIÖG schon zwischen dem 6. und 9. Lebensmonat möglich.