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Kaum ist das Baby da, kommen die Ratschläge – von der Schwiegermutter, aus dem Internet, von der Frau an der Bushaltestelle. Rund um den Schnuller halten sich besonders hartnäckige Weisheiten. Wir haben sechs davon gegen die Studienlage gestellt. Spoiler: Manches ist Unsinn, manches gefährlich und manches überraschend knifflig.
1. „Ablecken stärkt das Immunsystem“
Mythos: Wer den runtergefallenen Schnuller selbst ablutscht, tut dem Kind etwas Gutes – die Keime trainieren die Abwehr.
Faktenlage: Der Mythos hat einen wahren Kern. Eine Studie (Hesselmar und Kollegen, 2013, erschienen in Pediatrics) begleitete 184 Kinder. Kinder, deren Eltern den Schnuller ableckten, hatten mit 18 Monaten seltener Ekzeme und Asthma. Allerdings war es eine Beobachtungsstudie mit kleinen Gruppen – sie zeigt einen Zusammenhang, aber keinen Beweis. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) und das BIÖG raten weiterhin ab, weil dabei auch Kariesbakterien übertragen werden können. Es gibt auch Gegenstimmen: Der Zahnmediziner Prof. Zimmer betont, dass Karies vor allem durch Zucker entsteht.
Fazit: Spannende Hinweise, aber kein Beweis. Die Fachstellen raten ab. Und wenn du erkältet bist oder Herpes hast: auf keinen Fall. Wie du Schnuller richtig sauber bekommst, steht unter Schnuller reinigen.
2. „Schnuller verursachen Sprachstörungen“
Mythos: Wer viel nuckelt, lernt schlechter sprechen.
Faktenlage: Die Studien sind uneinheitlich. Eine Untersuchung aus Chile (Barbosa und Kollegen, 2009, 128 Kinder) fand bei Kindern, die drei Jahre oder länger einen Schnuller nutzten, ein mehr als dreimal so hohes Risiko für Sprechauffälligkeiten. Eine britische Studie (Strutt und Kollegen, 2021, 100 Kinder) fand dagegen meist keinen Zusammenhang – nur bei jüngeren Kindern mit häufigem Gebrauch tagsüber traten atypische Lautfehler öfter auf. Ein Mini-Review von 2024 kommt zu dem Schluss: Die Beweislage ist nicht schlüssig.
Fazit: Es gibt Hinweise, dass langes Dauernuckeln tagsüber nicht ideal ist, aber keinen Beweis für Sprachstörungen durch den Schnuller. Ein Kind, das gerade erzählen will, braucht den Mund ohnehin frei. Tipps zum Reduzieren findest du unter Schnuller abgewöhnen.
3. „Ein bisschen Honig beruhigt“
Mythos: Ein Schnuller, kurz in Honig getaucht, nimmt das Baby lieber und schläft besser.
Faktenlage: Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eindeutig: Honig gehört nicht in den Mund von Säuglingen unter einem Jahr. Er kann Sporen enthalten, die Säuglingsbotulismus auslösen, eine seltene, aber ernste Erkrankung. Dazu kommt: Süßes am Sauger umspült die Zähne und fördert Karies.
Fazit: Finger weg – kein Honig, kein Zucker, kein Sirup am Schnuller. Dass die alten Ägypter das anders gesehen haben, steht in der Geschichte des Schnullers. Ein Vorbild ist es nicht.
4. „Der Schnuller schützt vor dem plötzlichen Kindstod“
Mythos: Mit Schnuller im Bett kann nichts passieren.
Faktenlage: Eine Metaanalyse von Hauck und Kollegen (2005) wertete Fall-Kontroll-Studien aus: Schnullernutzung im Schlaf war mit einem geringeren Risiko verbunden. Ein Cochrane-Review von 2017 stellte allerdings fest, dass es keine randomisierten kontrollierten Studien dazu gibt. Ursache und Wirkung sind also nicht belegt.
Fazit: In Beobachtungsstudien ist der Schnuller mit einem geringeren Risiko verbunden – ein garantierter Schutz ist er nicht. Er ersetzt nicht die bekannten Grundregeln: Rückenlage, rauchfreie Umgebung, eigener Schlafplatz. Mehr dazu in Schnuller im Schlaf; bei Fragen hilft deine Hebamme oder Kinderarztpraxis.
5. „Latex ist natürlich und deshalb gesünder“
Mythos: Naturkautschuk ist bio, Silikon ist Chemie.
Faktenlage: Für Nitrosamine, die bei der Herstellung von Gummi entstehen können, gibt es eigene EU-Grenzwerte (Richtlinie 93/11/EWG). Öko-Test fand 2009 bei Latexschnullern entsprechende Belastungen. Silikon ist aber auch kein Freifahrtschein: Bei Stiftung Warentest gab 2026 ein Silikonschnuller Nitrosamine knapp unter dem Grenzwert ab. Dazu kommt, dass Latex Allergien auslösen kann.
Fazit: Natürlich heißt nicht automatisch gesünder. Beide Materialien haben Vor- und Nachteile, entscheidend ist das einzelne Produkt. Den ausführlichen Vergleich liest du unter Latex oder Silikon, Prüfergebnisse unter Schadstoffe im Schnuller.
6. „Spaßschnuller sind gefährlich“
Mythos: Lippen, Schnurrbart, Vampirzähne – sowas kann ja nicht sicher sein.
Faktenlage: Es gab tatsächlich Probleme: 2014 rief die US-Behörde CPSC drei „Chill Baby“-Modelle von Fred zurück, 2017 Health Canada den Billy-Bob „Little Vampire“. Am 1. Dezember 2025 warnte die irische Verbraucherschutzbehörde CCPC vor einem über den Shein-Marktplatz verkauften Lippen-Schnuller mit zu wenigen Luftlöchern. Aber: Die Norm EN 1400 gilt für Spaßschnuller genauso wie für jeden anderen Schnuller. Das Problem ist nicht das lustige Design, sondern ein Produkt, das die Norm nicht erfüllt.
Fazit: Ein Schnurrbart macht einen Schnuller nicht gefährlicher – fehlende Normkonformität schon. Spaßschnuller wie Lippen, Bart oder Zähne sind für Fotos und kurze Momente unter Aufsicht gedacht, nie zum Einschlafen. Wer einen lustigen Schnuller mit Prüfangabe sucht, wird zum Beispiel bei Metal Kids fündig. Worauf du sonst achten solltest: Schnuller-Sicherheit.
KI-BildSprücheMetal Kids „Lieblingsmenschlein“
Schwarz wie eine Lederjacke, weich wie ein Kuschelbär: Auf dem Schild steht „Lieblingsmenschlein“.
KI-BildSprücheMetal Kids „born to rock“
Schwarzes Schild, weiße Schrift, klare Ansage: Dieses Baby ist „born to rock“ – und laut Angebot die Norm EN 1400 im Gepäck.
KI-BildLeuchtenBIBS Colour GLOW
Rundes Schild, runder Sauger, leuchtender Griff – der dänische Klassiker geht in die Nachtschicht.
KI-BildLeuchtenFRIGG Mondphase Leucht-Schnuller
Mondphasen auf dem Schild, Naturkautschuk im Mund – und nachts leuchten Griff und Knauf.
Und was lernen wir daraus?
Die meisten Mythen haben einen wahren Kern und eine zu einfache Schlussfolgerung. Wenn dir also jemand an der Bushaltestelle etwas über Schnuller erzählt, darfst du freundlich nicken – und im Zweifel lieber bei der Hebamme oder in der Kinderarztpraxis nachfragen. Noch mehr Erstaunliches rund ums Nuckeln steht in Kurioses rund um den Schnuller.
Quellen
Hesselmar B et al. (2013), Pediatrics: Studie zu Schnullerreinigung und Allergien · BVKJ / kinderaerzte-im-netz.de: Schnuller nicht ablecken · BIÖG / kindergesundheit-info.de: Schnuller · Prof. Zimmer, Äußerung zu Karies · Barbosa C et al. (2009), Studie aus Chile · Strutt C et al. (2021), Studie aus Großbritannien · Mini-Review (2024) zu Schnuller und Sprachentwicklung · Bundesinstitut für Risikobewertung: Säuglingsbotulismus – kein Honig für Säuglinge unter einem Jahr · Hauck FR et al. (2005): Metaanalyse Schnuller und plötzlicher Kindstod · Cochrane-Review (2017) zu Schnuller und plötzlichem Kindstod · Richtlinie 93/11/EWG (Nitrosamine aus Elastomer-Saugern) · Öko-Test (2009): Schnuller · Stiftung Warentest (2026): Schnuller im Test · U.S. CPSC (2014): Rückruf Fred Chill Baby · Health Canada (2017): Rückruf Billy-Bob Little Vampire · CCPC Irland (2025): Warnung zu Lippen-Schnullern · DIN EN 1400.
Häufige Fragen
Darf ich den Schnuller ablecken?
Fachstellen wie BVKJ und BIÖG raten ab. Eine Studie fand zwar weniger Allergien, zeigt aber nur einen Zusammenhang. Bei Erkältung oder Herpes auf keinen Fall.
Darf Honig an den Schnuller?
Nein. Laut BfR bekommen Säuglinge unter einem Jahr keinen Honig, weil er Säuglingsbotulismus auslösen kann. Zudem fördert Süßes Karies.
Schützt der Schnuller vor plötzlichem Kindstod?
Beobachtungsstudien zeigen ein geringeres Risiko, einen garantierten Schutz gibt es nicht. Rückenlage, rauchfreie Umgebung und eigener Schlafplatz bleiben das Wichtigste.
Sind Spaßschnuller unsicher?
Nicht wegen des Designs. Entscheidend ist, ob der Schnuller die Norm EN 1400 erfüllt. Spaßschnuller trotzdem nur kurz und unter Aufsicht verwenden, nie zum Einschlafen.



